Evolution von Geschlechtsunterschieden

  • nur wer sich fortpflanzte, konnte Gene weitergeben
  • Rückschluss: weil eine Eigenschaft besteht, muss sie zu einer erfolgreichen Fortpflanzung beigetragen haben
  • in den letzten Generationen hat der Mensch seine Umwelt sehr stark verändert
  • Gene beeinflussen unsere Gefühle, Interessen und Talente, bestimmen aber nicht unser Handeln
Themenüberblick:
Evolu - was?
Evolutorische Sichtweise
In der Evolution "durchgesetzt"
Evolution heute
Perfekte Evolution

Die Happy Jona – Werte:

✓ Gleichheit   ✓ Nachhaltigkeit   ✓ Ehrlichkeit   ✓ Selbstwert   ✓ Respekt


Evolu – was?

Wenn es einer Deiner Vorfahren nicht geschafft hätte, sich fortzupflanzen, säßest Du heute nicht hier und und könntest nicht die digitalisierten Worte von Happy Jona lesen. Nur Lebewesen, die sich fortpflanzen konnten, haben ihre Gene an die Nachwelt weitergegeben. Anders ausgedrückt, nur Gene derjenigen mit Fortpflanzungserfolg haben überdauert. Als Folge haben sich in der Population einige Gene mehr durchgesetzt als andere und die Merkmale von Spezies haben sich mit der Zeit verändert. Evolution ist die Art und Weise, wie sich Lebewesen im Laufe der Zeit verändern1.

Natürliche Selektion

Solche Lebewesen, die besser an ihre Umwelt angepasst sind, überleben mit einer höheren Wahrscheinlichkeit und vermehren sich stärker. Im Vergleich dazu haben Lebewesen, die weniger an ihre Umwelt angepasst sind, eine geringere Überlebenswahrscheinlichkeit und vermehren sich weniger. Diesen Prozess nennt man die natürliche Selektion.

Adaptivität

Die Natur stellt gewisse Rahmenbedingungen und einige Lebewesen sind besser an diese angepasst als andere. Diese Rahmenbedingung bleiben aber nicht stabil, sondern ändern sich stetig. Aus diesem Grund ist ein bedeutender Faktor der Evolution die Adaptivität. Diese gibt an, in welchem Maß sich eine Spezie in der Lage ist, sich an ihre Umwelt anzupassen. Desto besser und schneller sie hilfreiche Eigenschaften annehmen und störende ablegen kann, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Spezies überlebt.

Evolutorische Sichtweise

Wir betrachtet auf den folgenden Seiten Geschlechtsunterschiede aus “evolutorischer Sichtweise”. Im Grunde bedeutet das, dass wir einen Rückschluss ziehen:

Weil eine Eigenschaft heute besteht, muss sie für eine erfolgreiche Fortpflanzung nützlich gewesen sein. 

Im Fall von Geschlechtsunterschieden fragen wir:

  1. Ist der Geschlechtsunterschied angeboren (Gene) oder gelernt (Sozialisierung)
  2. Wie kann eine unterschiedliche Spezialisierung der Geschlechter auf diesem Merkmal, die Fortpflanzungswahrscheinlichkeit erhöht haben?
  3. Wieso sollte es sich gegenüber Alternativen durchgesetzt haben?

In der Evolution „durchgesetzt“

Wir werden auf folgenden Seiten häufiger auf Formulierungen stoßen wie “eine Verhaltensweise hat sich durchgesetzt”. Wir meinen damit nicht, dass sie wünschenswert sei oder bewusst angestrebt wurde.

Ausgedachtes Beispiel zur Veranschaulichung:

Eine Population bestand aus einem faulen und einem fleißigen Teil. Nur die fleißigen Leute wuschen sich die Hände. Den faulen Leute war es etwas unangenehm, dass sie sich nicht die Hände wuschen, aber sie hatten einfach überhaupt keine Lust. Später stellte sich heraus, dass das Wasser unfruchtbar gemacht hat. Nur Personen, die sich nie die Hände gewaschen hatten, konnten sich später fortpflanzen und ihre Gene weitergeben. In den nachfolgenden Generationen war das „Gen der Faulheit“ weit verbreitet, da sich ja nur die faulen Leute vermehren konnten. Die Population als Ganzes wurde folglich viel fauler. Die Population war sich ihrer Faulheit gar nicht bewusst, sie waren es einfach. Aus Sicht der Evolution hat sich das “Faulheit” durchgesetzt.

Sicher konntest Du Dir schon mal selbst Deine Gefühle für jemanden nicht erklären. Es ist einfach in Dir, dass Du Dich von jemandem extrem angezogen fühlst. Es sind anlagebedingt Neigungen einprogrammiert in unsere Gene. Du kannst diese Gefühle bemerken und Dich von jemandem fernhalten, oder Du kannst die Gefühle gewähren und dementsprechend handeln. Dein Verhalten liegt ganz bei Dir. Wir sind Menschen und können unser Verhalten hinterfragen und steuern, es ist nicht determiniert. Einigen fallen Dinge leichter oder schwerer. Ich kann manchmal nicht steuern, worauf ich Lust habe, oder zu wem ich mich hingezogen fühle. Ich kann aber steuern, mit welchen Leuten ich mich umgebe, in welche Situationen ich mich begebe und am Ende, wie ich mich in jeder einzelnen Situation verhalte.

Evolution heute

In den letzten im Vergleich zur gesamten Evolution kaum erwähnenswerten Generationen hat der Mensch seine Umwelt extrem verändert. Die Industrialisierung veränderte unser ganzes Sein von Auto und Smartphone über Maschinenanlage und Wasserwerk zu Waschmaschine und Rasenmäher. Wir als Spezies können unsere Zeit ganz anders einteilen als unsere Vorfahren, weil Maschinen viel Arbeit abgenommen oder zumindest stark vereinfacht haben.

Rollenteilung, wie sie einst vermutlich überlebenswichtig war, ist nicht nur überflüssig geworden, sondern sogar nachteilig. Viele Studien zeigen, dass Unternehmen und Familien erfolgreicher und glücklicher wären bei ausgeglichener Arbeitsteilung. Einige unserer Anlagen helfen einer Giraffe in der Savanne mehr als einem Stadtmenschen. Haben wir die Evolution überholt? Auch Dr. Bischof-Köhler stellt die Frage, ob die evolutionsbiologische Polarisierung der Geschlechter nutzlos geworden ist2.

Perfekte Evolution

Der heutige Wissensstand geht davon aus, dass eine Rollenteilung zwischen den Geschlechtern die Überlebenschance unserer Spezies erhöht hat. Warum kam es jedoch nicht zur perfekten Selektion, bei der ein Geschlecht ein Merkmal zu 100 Prozent aufweist und es beim anderen gar nicht auftritt?

Die Vermutung liegt nahe, dass die Aufteilung der Aufgaben und Funktionen nie so trennscharf war. In den meisten Kulturen haben Frauen neben der Kinderbetreuung unterschiedlichste weitere Rollen übernommen, wie beispielsweise das Tragen von Wasser. Zudem verlangten manche Situationen, dass ein Geschlecht die Aufgaben des anderen komplett übernahm. Ein junges Beispiel sind Trümmerfrauen, welche die Städte aufräumten, während sich Männer vom Krieg erholten. Vor allem innerhalb der Familien mussten sich die Geschlechter arrangieren. Auch wenn es eine Norm der Aufgabenteilung gab, musste jede Familie zusehen, wie sie zurecht kam. Wieviel weniger Nachkommen hätten es geschafft, wenn bei Wegfall einer Person, die andere die Aufgaben nicht hätte übernehmen können. Zudem sehen wir über verschiedene Kulturen hinweg alle “typischen” Rollenfunktionen auch in umgekehrter Variante – wie dominante Frauen oder künstlerische Männer.


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Quellen:

  1. bbc.com Abruf 17.07.2019
  2. Bischof-Köhler 2006, S. 339