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Partnerschaft

  • beide Geschlechter haben Überbleibsel-Dispositionen zu einer doppelten Strategie 
  • scheinbare Entwicklung zur monogamen lebenslangen Partnerschaft
  • wichtig, mit dem Partner Vorstellungen und Erwartungen zu klären
Themenüberblick:
Anziehung
Ehe
Treue

Anziehung

Die Liebe auf den ersten Blick klingt weniger romantisch als oberflächlich. Tatsächlich ist der Mensch aber sehr gut darauf trainiert, Menschen in seinem Umfeld innerhalb von Sekunden einzuschätzen. Ergebnisse sind dabei bemerkenswert akkurat im Bezug auf Alter, Gesundheitszustand, Stimmung sowie Herkunft. 

Studien zeigen, dass attraktive Menschen in der Schule weniger hart bestraft und im Studium sowie im Beruf positiver beurteilt werden. Sogar vor Gericht erhalten attraktive Menschen weniger harte Strafen, außer die Attraktivität spielte eine Rolle im Verbrechen, wie bei Heiratsschwindlern1

Für beide Geschlechter wirken Merkmale attraktiv, die auf Gesundheit und Fruchtbarkeit hinweisen. Junges und gesundes Aussehen, wie eine straffe, elastische Haut und Asymmetrie von Gesicht und Körper zählen dazu.

Was macht Frauen schwach?

  1. Fruchtbarkeit und Gesundheit
  2. Diversität
  3. materielle Sicherheit
  4. Fähigkeit zur Verteidigung

Man geht davon aus, dass Weibchen die ranghöchsten Männchen für eine Paarung bevorzugen. Bei manchen Affenarten konnte man jedoch beobachten, dass Weibchen neu dazu gekommene Männchen präferierten. Darauf stützt sich auch die Hypothese, dass die Weibchen sich nicht nach einer faktischen, sondern an einer prospektiven Ranghöhe orientieren2. Hieran erkannt man die zwei Motive, die sich bei der Partnerwahl entgegenstehen. Zum einen sehnt sich das Weibchen nach Vertrautheit, sodass es sicher leben und sich um den Nachwuchs kümmern kann. Andererseits empfindet es aber Lust auf Fremdartigkeit. Dieser Wunsch hat sich vermutlich zum Wohle der Diversität durchgesetzt. Verschiedenartigkeit der Gene ist wichtig, denn je ähnlicher Erbgut, desto nutzloser ist es. Die Notwendigkeit, Inzucht zu verhindern, ist größer als die Angst vor Risiko3.

Auch materielle Sicherheit steigert die Attraktivität eines Mannes in den Augen der durchschnittlichen Frau. Selbst abgesicherte Frauen fanden Gutverdiener attraktiver4. Außerdem werden Männer mit einem markanten Kinn, tiefliegenden Augen und dicken Augenbrauen von den meisten Frauen als attraktiv bewertet.

Ein weiterer Fund ist, dass Frauen Männer attraktiver fanden, die anderen gegenüber in einer dominanten Körpersprache auftraten5. Damit Weibchen sich um den jungen Nachwuchs kümmern konnten, mussten Männchen die Familie beschützen. Übersteigerte dominant-maskuline Merkmale lehnen Frauen hingegen ab6. Dass solches Verhalten eine Gegenselektion erfährt, wäre dadurch zu erklären, dass die größere Gefahr nicht von Fremden und Außen besteht. Häusliche Gewalt ist heute die tatsächliche Gefahr für Frauen und Mädchen.

Was macht Männer schwach?

  1. Gesundheit und Fruchtbarkeit (breit ausladende Hüften)
  2. hat noch kein Kind (schmale Taille)

Eine Studie in 37 Kulturen mit über 10.000 Probanden sollte zeigen, welche kulturunabhängigen Merkmale für die Geschlechter wichtig sind bezüglich sexueller Attraktion. Die Merkmale waren vorgegeben und wurden von den Teilnehmern bewertet. Männer schätzen demnach jüngere Frauen, gutes Aussehen, breit ausladende Hüften und verhältnismäßig schmale Taille7 als sexuell attraktiv ein. Laut Singh & Luis, 1995 sind diese Merkmale Zeichen für erhöhte Fruchtbarkeit, Gesundheit und dafür, dass eine Frau noch kein Kind zur Welt gebracht hat. Zudem wirken volle Lippen attraktiv, welche eine Folge der weiblichen Fetteinlagerung sind8.

Ehe

“Love can touch us one time
and last for a life time
and never let go till we´re gone”

Céline Dion – My heart will go on

Warum ist es das Ideal der ewigen Liebe und Verantwortung, die uns heute so imponiert. Und wie passt das zur Statistik, dass jede dritte Ehe bricht? Ist es vielleicht nur eine sozialisierte romantische Vorstellung und wir müssen noch eine realistische finden? Ist es einfach nicht das richtige Modell für jeden? Oder ist das Modell noch zu neu und wir müssen noch ein paar hundert Generationen Evolution abwarten, bis der Mensch passend ausgestattet ist?

Leidenschaft kommt mit Ablaufdatum. Wenn die Beziehung eines Paares an die Erwartungshaltung geknüpft ist, einander ein Leben lang zu begehren, mag das schwierig werden. Unsere Gene sind beispielsweise nicht auf Verhütungsmittel vorbereitet. Wenn eine Frau nach 3-4 Jahren nicht schwanger wird, nimmt die Anziehungskraft deutlich ab. Wenn Du jetzt denkst, “Puh, Glück gehabt, wir habe ja Kinder”, gibt es andere schlechte Nachrichten. Wenn Kinder gesellschaftsfähig sind, ebenfalls nach 3 – 4 Jahren, nimmt das Interesse in die Beziehung ebenfalls ab9.

Ehe heute

Zahlen aus Deutschland 2017:

💑 18 Millionen Ehepaare

👰🏼🤵  0,4 Millionen Eheschließungen

🤷‍♀️ 🤷‍♂️ 0,15 Millionen Scheidungen

🗓 15 Jahre durchschnittlich Ehedauer

👨‍👧‍👦 0,4 Millionen alleinerziehende Väter

👩‍👧‍👦 2 Millionen alleinerziehende Mütter

Eine Ehe hält im Schnitt immerhin 15 Jahre und die Anzahl an Scheidungen geht seit Jahren zurück10. Die 68-er zelebrierte freie Liebe schaffte es nicht sehr weit. Scheinbar haben Menschen einen tiefen Drang nach einer festen Bindung. Und natürlich sind da noch Kinder und die positiven Auswirkungen einer stabilen Familie. Andererseits gibt es derzeit auch 2,6 Millionen Alleinerziehende.

Ehe über alle Kulturen, Zeiten und Tierwelt

Monogamie

Von allen vergangenen und gegenwertigen uns bekannten Kulturen weltweit, lebten etwa 17 Prozent in lebenslanger Monogamie.

In der Tierwelt kann man übrigens gut schätzen, bei wem Monogamie gelebt wird. Desto ähnlicher sich Weibchen und Männchen sehen, umso ausgeglichener ist ihr Anteil an der Brutpflege und höher die Wahrscheinlichkeit zur lebenslangen Monogamie. Da Wettbewerb in monogamen Arten kaum eine Rolle spielt, brauchen Männchen keine Fantasieuniform, um Weibchen zu beeindrucken. Bei Wölfen und Schwänen sehen sich Männchen und Weibchen beispielsweise sehr ähnlich und beide Arten leben monogam.

goose checkin in - monogam- Happy Jona

In der Rangordnung von Grauwölfen gibt es ein Alpha-Paar und Schwäne trauern um ihren Lebenspartner/ ihre Lebenspartnerin. Bei der sogenannten “Tierehe” sehen wir, dass die dauernde Fortpflanzungsgemeinschaft nicht alleine durch Sexualität motiviert ist, sondern aufgrund eines Wunsches nach einer auf Vertrautheit basierenden Bindung. Bei Löwen hingegen unterscheiden sich die Weibchen optisch deutlich von den Männchen. Die Weibchen ziehen die Jungen auf, während die Männchen mehrere Weibchen und Nachwuchs beschützen. Sie sind polygam unterwegs. Beim Menschen sehen wir äußerliche Unterschiede, die allerdings weniger ausgeprägt sind als bei unseren Ahnen. Vielleicht entwickelt sich der Mensch also in Richtung einer naturgegebenen lebenslangen Monogamie.

Polygynie

In 83 Prozent der Kulturen herrschte Polygynie, in der ein Mann mit mehreren Frauen lebt. Eine Haremsgemeinschaft ist allerdings die Ausnahme. Überwiegend handelte es sich um Monogamie auf Zeit (ein Mann lebte über verschiedene Lebensabschnitte je mit einer Frau zusammen) und gemäßigte Polygynie (ein Mann mit wenigen und meist dann doch nur mit einer Frau).

Polyandrie

Bei 0,4 Prozent der Kulturen traf man Polyandrie an, in der eine Frau mehrere Männer hat. So war es beispielsweise in Afrika und dem tibetanischen Hochland der Fall. In der Tierwelt sehen wir diese Lebensweise bei Kampfwachteln. Das Weibchen legt Eier in mehrere Nester und die Männchen brüten. Das Weibchen ist prachtfarbiger als Männchen und Initiator der Paarung. Zudem hat es die höhere Menge an Testosteron, welches sie in den Ovarien produziert.

Polygynandrie

Polygynandrie (Gruppenehen zwischen mehreren Männern und Frauen) konnte man in nur einer Gesellschaft (Pahari in Nordindien) nachweisen11.

Treue

Treue ist kein vom Menschen erfundenes Bedürfnis. Manche Tierarten liefern im Bezug auf Treue deutlich überzeugendere Statistiken als Menschen. Und obwohl beiden Geschlechtern Treue des Partners/ der Partnerin wichtig ist, tun sich beide schwer, sich selbst daran zu halten.

Warum ist Treue aus Evolutionsperspektive wichtig?

Eine Studie in Deutschland zeigt, dass Frauen sexuelle Treue wichtiger ist als Männern. 88 Prozent der Frauen versus 72 Prozent der Männer gaben an, dass ihnen sexuelle Treue “sehr wichtig” sei12. Dem entgegen steht, dass 30 Prozent untreue Frauen und 56 Prozent untreue Männer ihre Ehen als glücklich bezeichnen. Nun müsste man natürlich noch wissen, wie das die Betrogenen sehen.

Untreue wurde für Frauen vor allem dann ein Problem, wenn die Gefahr bestand, dass sie ihren Nachwuchs alleine aufziehen mussten. Sexuelle Untreue konnte zu fremden Nachwuchs führen, der dem eigenen zur Konkurrenz stünde. Aber auch Gefühle zu einer anderen Frag hätte zum Vernachlässigen der Familie führen können.

Für Männer war sexuelle Untreue zu einem Problem, weil sie nicht die Nachkommen anderer aufziehen wollten. 

Eine doppelte Strategie zahlte sich für beide Geschlechter aus

Profit für Frauen

Forscher der University of California, Los Angeles (UCLA) konnten zeigen, dass Frauen während ihrer Ovulation sehr maskulin gebaute Männer attraktiver finden. Als Sterberaten noch deutlich höher lagen, waren gesunde, starke Gene sehr wichtig für die Überlebenschancen des Nachwuchses. Frauen profitierten also davon, sich in ihrer fruchtbaren Phase mit starken, gesunden Männern zu paaren. Damit der Nachwuchs zusätzlich eine möglichst gute Betreuung erfuhr, waren hingegen Kriterien wie Fürsorge und Verantwortung bei dem Langzeitpartner wichtig13.

Profit für Männer

Auch Männer konnten von einer doppelten Strategie profitieren. Sie hatten einerseits Bedürfnis, sich langfristig zu binden und sich an der Kinderbetreuung zu beteiligen. So hatte auch ihr Nachwuchs ideale Voraussetzungen. Wenn sie zusätzlich unverbindliche sexuelle Verbindungen eingingen, konnten sie gegebenenfalls ihre Fortpflanzungseffizienz erhöhen. Das war allerdings nur solange der Fall, wie die kostenarmen Verbindungen die Langzeitbeziehung nicht beeinträchtigten.

Während Männer bei der langfristigen Lebenspartnerin auf Kriterien wie Intelligenz und Humor Wert legen, sind sie weniger wählerisch bei Affären14. Für eine Disposition zu einer quantitativen Strategie sprechen Befunde zur Torschlusspanik. Männer finden Frauen attraktiver, je später ein Abend wird – unabhängig vom Alkoholkonsum15. Männer, die an vielen Sexualkontakten interessiert sind, also eine Tendenz zur quantitativen Strategie haben, nehmen ihre Partnerin nach dem Geschlechtsverkehr deutlich unattraktiver16.

Konsequenz

Die Überlegungen zu einer doppelten Strategie haben wir aus einer individueller Ebene getroffen. Wenn in einer Population alle Männer eine doppelte Strategie führen, wäre eine logische Konsequenz, dass alle Männer auch fremde Kinder aufziehen würden. In diesem Fall wäre ihre Fortpflanzungseffizienz tatsächlich gar nicht höher als in einer Gesellschaft mit treuer Monogamie.

Tatsächlich würden aber auch gar nicht alle Männer gleichen Erfolg haben. Unter Einbeziehung der weiblichen Präferenzen innerhalb der doppelten Strategie, würden sich praktisch nur die „Hotties“ der Männer tatsächlich fortpflanzen und alle anderen könnten höchstens die Rolle der Co-Erziehung übernehmen.


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Quellen:


 

  1. unibas.ch/de Abfruf 13.07.2019
  2. Martin, 1992; 3: Bischof-Köhler 2006 S. 120
  3. Bischof-Köhler 2006 S. 120
  4. Buss 1994, 2004 nach Bischof-Köhler 2006 S. 142
  5. Sadalla et al., 1987 USA
  6. unibas.ch/de Abfruf 13.07.2019
  7. Sütterlin, 1994
  8. unibas.ch/de Abfruf 13.07.2019
  9. deutschlandfunk.de Abruf 10.07.2019
  10. destatis.de Abruf 10.07.2019
  11. Daly & Wilson, 1983 nach Bischof-Köhler 2006 S. 140
  12. statista.com Abruf 10.07.2019
  13. medicalnewstoday.com Abruf 10.07.2019
  14. Kenrick et al., 1990
  15. Gladue & Delaney, 1990
  16. Haselton & Buss, 2001