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Warum unterscheiden wir zwei Geschlechter?

  • von sich teilenden Einzellern bis zu acht Geschlechtern und mehr existieren alle Konstellationen
  • die Anforderungen an die Keimzellen mobil zu sein, aber gleichzeitig Nährstoffe zu transportieren, lässt eine Aufgabenspaltung sinnvoll erscheinen
Themenüberblick:
Warum nicht mehr als zwei Geschlechter?
Warum nicht nur ein Geschlecht?
Was spricht für genau zwei Geschlechter?

Die Frage, warum wir eigentlich zwei Geschlechter haben bei allen Optionen, die es so gibt, gab und geben könnte, ist weniger geklärt als man wohl annehmen würde1.

Warum nicht mehr als zwei Geschlechter?

Unter den Einzellern gibt es Varianten mit acht und mehr Paarungstypen. Sie können sich nur unter komplizierten Kombinationsregeln fortpflanzen. Hier finden wir schnell einen Grund, warum sich eine solche Fortpflanzungsstrategie nicht für größere Wesen durchgesetzt hat – es ist einfach viel zu kompliziert. Infolgedessen würden wir nicht genügend Nachkommen erzeugen und andere Lebewesen würden uns verdrängen.

Warum nicht nur ein Geschlecht?

Einzellige Lebewesen vermehren sich ungeschlechtlich, indem sie sich teilen. Beim Menschen ist das der Fall, wenn aus einer befruchteten Eizelle zwei eineiige Zwillinge entstehen. Wie praktisch ist das denn! Jeder kann für sich selbst entscheiden, wann es soweit ist und sich einfach teilen. Was fehlt, ist der Austausch von Erbmaterial, aber auch dafür kennt die Natur längst eine Lösung. Pantoffeltierchen beispielsweise legen sich aneinander und tauschen Genmaterial einfach aus. Dieser Austausch dient sozusagen der Reparatur des Materials. Schädliche Mutanten werden eliminiert. Dieser Prozess wäre sogar auch allein möglich, indem man einen Teilungsprozess einleitet und somit den Zellkern verdoppelt und dann wieder verschmelzt (Autogamie).

Schauen wir uns noch einen anderen Fall an: Zwitter. Das sind Lebewesen, die beide Geschlechter annehmen. Anemonenfische kennen wir aus dem Disney Film “Findet Nemo”. Bis zur Geschlechtsreife sind alle Nemos männlich. Dann leben sie in unterschiedlich großen Gruppen bestehend aus einem Weibchen und vielen Männchen. Das Weibchen ist der größte Fisch in der Gruppe. Wenn es stirbt, wandelt sich das stärkste Männchen zum neuen Weibchen. Dieser Vorgang dauert eine Woche2. In diesem Fall kann man sich gut vorstellen, warum sich diese Fortpflanzungsstrategie nicht für landlebige, größere Tiere durchgesetzt hat. Es ist schwer genug, sich auf ein Geschlecht zu spezialisieren. Wenn sich jeder auf zwei Geschlechter hin entwickeln muss, ist das deutlich schwerer. Zudem könnte es kompliziert werden, sich zu einigen, wer welches Geschlecht annimmt, wenn sich nicht so klare Regeln wie bei den Anemonenfischen durchsetzen.

Was spricht für genau zwei Geschlechter?

So verlockend das Teilen und der Austausch von Genmaterial bei den Pantoffeltierchen klingt, reicht dieser Vorgang für komplizierte Organismen wohl nicht mehr aus. Der erste wesentliche Punkt, der für zwei Geschlechter spricht ist:

Eine höhere Variabilität des Erbgutes vereinfacht 
die Anpassung an wechselnde Umweltbedingungen

Einen zweiten wesentlichen Punkt vermutet man in den Anforderungen an die Keimzellen. Diese müssen nämlich einerseits vielfältig und sehr beweglich sein, um sich suchen und finden zu können. Gleichzeitig sollen sie genügend Nährstoffreserven mitbringen. Dieses “Gepäck” ginge aber sowohl auf Kosten der Anzahl als auch der Beweglichkeit. Ein Kompromiss wäre, dass die Keimzellen so viel Nährstoffreserven transportieren, dass sie noch mobil und vielfältig genug sind. Die Natur hat sich für disruptive Variante entschieden und die Aufgaben getrennt.

Die Funktionen der Keimzellen hat sich getrennt in:
→ Samenzellen sind in hoher Anzahl vorhanden. Sie sind schnell, aber nur von kurzer Vitalität 
→ Eizellen sind weniger bewegliche, aber speichern genügend Nährstoffreserven für die Teilungsschritte3


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Die parentale Investition

Was für Konsequenzen ergeben sich nun aus den verschiedenen Funktionen von Ei- und Samenzellen?

parental investment
Parentale Investition

Quellen:

  1. Bischof-Köhler 2006 S. 108
  2. wikipedia.org Abruf 09.07.2019
  3. Bischof-Köhler 2006 S. 110